Bruxismus

Bruxismus (Zähneknirschen) ist eine weit verbreitete Krankheit die in der Vergangenheit ausführlich erforscht und untersucht worden ist. (Lavigne et al. 2008) Nach Empfehlung eines internationalen Expertengremiums wird Bruxismus folgendermaßen definiert: "Bruxismus ist eine sich wiederholende Kaumuskelaktivität, die durch Knirschen oder Pressen auf den Zähnen und/oder durch Anspannung bzw. Pressen der Kiefer aufeinander gekennzeichnet ist." (Zitat)

Bereits 1901 wurde dieses Phänomen als Neuralgica Traumatica beschrieben (Karolyi), 1907 wurde der Begriff Bruxomania eingeführt. "Bruxismus hat zwei verschiedene zirkadiane Manifestationen und kann während des Schlafes (Schlafbruxismus) oder im Wachzustand (Wachbruxismus) auftreten." (Zitat)

"80% der Zahnärzte geben an, dass orale Parafunktionen wie Knirschen und Pressen mit den Zähnen zunehmen. Dieses zumeist psychosomatisch zu erklärende Verhalten stellt ein erhebliches Risiko für das Entstehen funktioneller Störungen und muskolo-skelettaler Schmerzen (Myoarthropathie) dar. Auf Basis der DMS III (Deutsche Mundgesundheitsstudien des Instituts der Deutschen Zahnärzte) wird davon ausgegangen, dass 8-15% der Frauen und 3-10% der Männer, mit einer Häufung in der Altersgruppe der 35- bis 45-jährigen, von diesem Krankheitsbild betroffen sind."

Verwendet man objektive zahnärztliche Diagnosekriterien, wie z.B. den Abrasionsgrad der Kauflächen, erhält man eine Häufigkeit von 50% - 80% in der Bevölkerung (Holste et al. 1982).

Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass der Schlafbruxismus weltweit sehr häufig auftritt und die dritt häufigste Schlafstörung überhaupt ist. (Ohayon et al. 2001).

Ursachen des Bruxismus

Die Ursachen für Bruxismus sind vielfältig, werden kontrovers diskutiert und sind nicht eindeutig geklärt. Man geht jedoch immer mehr von Stress als Hauptauslösefaktor aus (Ohayon et al. 2001). Das wird auch durch den engen Zusammenhang von verstärktem Auftreten von Bruxismus in den sogenannten industrialisierten Ländern verdeutlicht.

Des Weiteren gibt es folgende Ursachen:

Dentale Ursachen

  • Funktionsstörungen/CMD
  • Frühkontakte
  • Parodontopathien
  • Prothetische Konstruktionen
  • Folgen einer kieferorthopädischen Behandlung

Andere Ursachen

  • Stress
  • Verdrängung
  • Zwangsverhalten
  • Selbstverletzendes Verhalten
  • Konditionierung/Angewohnheit
  • Endokrine Ursachen
  • Soziale Situation
  • Vererbung

Therapiemöglichkeiten

Auf Grund der multifaktoriellen Genese des Schlafbruxismus finden sich in der Literatur vielseitige Therapieansätze und Behandlungsmethoden aus den unterschiedlichsten Bereichen. Zu diesen Ansätzen und Methoden gehören Physiotherapie, Muskelentspannungsübungen, Akupunktur, Biofeedback/Konditionierung, Hypnose, dauerhafte okklusale Anpassungen, okklusale Schienen sowie Pharmakologie. (Lobbezoo et al. 2008). Selbst Botox wird mittlerweile zur Bruxismusbehandlung angewandt.

Die häufigste Behandlungsmethode sind Aufbissschienen, die weiteren Zahnschmelzabrieb verhindern und somit die Zähne schützen, nicht aber die Krankheit an sich oder weitere Folge-Erscheinungen verhindern. Sie bewirkt eine Äquilibrierung der Okklusion, dadurch auch eine positive Beeinflussung des Muskeltonus sowie eine verbesserte neuromuskuläre Koordination. Häufig wird hierdurch auch eine Stabilisierung der Kiefergelenke (in physiologischer Position) erreicht. Sie sind im Bereich der zahnärztlichen Funktionsdiagnostik und Therapie seit Anfang der 1960er Jahre das Hauptbehandlungsinstrument. (Mc Neill 1994)

Häufig sieht man in der Aufbissschienentherapie jedoch nur eine symptomatische Behandlung: Die Schiene verhindert lediglich einen weiteren Zahnhartsubstanzverlust, nicht jedoch den Bruxismus. (Clark et al. 1999)

Erstaunlich ist ein Vergleich der Wirksamkeit von Aufbissschienen zu reinen Gaumenplatten: Im Schlaflabor zeigten die Ergebnisse von beiden Methoden eine signifikante Reduktion der Knirsch-Episoden pro Stunde und damit auch eine deutliche Reduktion der Muskelaktivität beim nocturnalen Bruxismus. (Dube et al. 2004)

Andere Studien geben jedoch keine statistisch relevanten Hinweise darauf, dass eine alleinige Behandlung mit Aufbissschienen zu einem Behandlungserfolg bei Bruxismus führt. (Macedo et al. 2007)